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Angezockt: Call of Duty Advanced Warfare

Im Gegensatz zu den kürzlich auf der PZ-Multimediaseite besprochenen Shootern steht die Call of Duty-Reihe in erster Linie für beinharte Multiplayer-Action. Nicht umsonst findet jährlich die Call of Duty Championship statt, in der sich dieses Jahr mit Killerfish und SK Gaming erstmals gleich zwei deutsche Teams für die Finals in Los Angeles qualifizieren konnten. Killerfish ist nach 2013 sogar das zweite Mal in Kalifornien dabei. Eine Premiere feierte dagegen der US-Entwickler Sledgehammer. Dass es von Activision mit der Entwicklung von „Call of Duty: Advanced Warfare“ (für PC, PS4 und Xbox One, PS3 und Xbox 360) beauftragt wurde, darf man als Ritterschlag für das Studio verstehen, das bislang den beiden anderen CoD-Schmieden zugearbeitet hat. Das nun zusammen mit Treyarch und Infinty Ward gebildete Dreigestirn am CoD-Himmel soll gewährleisten, dass die Beteiligten sich künftig mehr Zeit nehmen können, an ihren im Drei-Jahres-Rhythmus erscheinenden Werken zu feilen. Entsprechend selbstbewusst führen die Sledgehammer-Chefs Glen Schofield und Michael Condery bei einem Treffen anlässlich der E3 in Los Angeles vor, was sie sich für die Marke ausgedacht haben. So wurde die Handlung kurzerhand 40 Jahre in die Zukunft verlegt. Auf diese habe man diesmal ganz besonderen Wert gelegt, versicherte Schofield damals, und sich dabei an Serien wie „The Walking Dead“ oder „House of Cards“ orientiert. „Wir wollten Emotionen zeigen, Schmerz und Verlust, und dafür überzeugende Charaktere schaffen.“ Auf die vollmundige Aussage folgte eine Eloge auf den Schauspieler Kevin Spacey, der in „Advanced Warfare“ die unvermeidliche Rolle des Oberschurken spielt und sich dafür offenbar richtig ins Zeug gelegt beziehungsweise die Motion-Capture-Kluft warf.1_CoD AW_Induction_Rush3_cod_spacey5_CoD AW_Riot_Slam Dunk2_CoD AW_Induction_Seoul Survivor

Leider stellt sich beim Spielen der Kampagne schnell heraus, dass „Call of Duty“ wohl auch in Zukunft kein Synonym für hollywoodreife Plots werden wird – Kevin Spacey hin oder her. Zwar sind die Zwischensequenzen brillant inszeniert, die dahinterstehende Geschichte, die wie gewohnt diverse Krisenherde dieser Welt im Schnelldurchlauf abhandelt, ist allerdings ungefähr so originell wie eine Folge von „Das A-Team“. Wer dagegen beim Spielen gerne das Hirn ausschaltet, um sich einfach mal für einige Stunden ein sinnbefreites Action-Feuerwerk um die Ohren blasen zu lassen, ist mit „Advanced Warfare“ perfekt bedient. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß an dem Spektakel, zu dem auch die stimmige, wenn auch nicht gerade den Verstand raubende Grafik beitrug. Zwar wurde vielfach kritisiert, die Optik sei nicht Next-Gen-würdig. Dieses Urteil ist aus meiner Sicht aber nicht ganz gerecht. Was auf der PS4 (auf der wir getestet haben) an Effekten abgefeiert wird, ist aller Ehren wert, und viele, wenngleich nicht alle Schauplätze, warten mit einer außerordentlich stimmigen Atmosphäre auf. Richtig glänzen kann „Advanced Warfare“ aber wie immer mit dem Multiplayerpart. Dazu trägt neben den größeren Arealen auch der neue „Exosuit“ bei, der den Kämpfern superheldenmäßige Fähigkeiten verleiht. Das ist eine Art elektronisches Außenskelett, das ich persönlich auch mal sehr gerne im Straßenverkehr ausprobieren würde. So hält mal eben ein umgestürzter Krankenwagen als mobiler Schutzschild her und der Cyberkrieger, eine kleine Revolution im CoD-Universum, überwindet Hindernisse und gähnende Abgründe per Doppelsprung und Höhenunterschiede mit Riesensätzen. Nach und nach lassen sich die Möglichkeiten mittels erspielter Punkte weiter ausbauen. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für einen Spaß das im Multiplayer macht!“, strahlte Michael Condrey bereits bei dem Treffen in LA. Und da kann man nur sagen: Recht hat er! Mit dem Exosuit und anderen Gadgets wie den „intelligenten Granaten“ macht „Call of Duty“ jedenfalls einen Riesenschritt in die Zukunft und lässt auf weitere frische Ideen in den kommenden Teilen hoffen.

Steffen Haubner

Über Steffen Haubner

Steffen Haubner M.A. schloss 1997 sein Studium Soziologie an der Universität Hamburg ab. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Fachlektor für zahlreiche Verlage und Publikationen mit den Schwerpunkten Technik und Neue Medien. Insbesondere widmet er sich den Themenbereichen Windows, Mobilfunk, Sicherheit, Games und Multimedia. Er ist für diverse Tageszeitungen und Magazine tätig. Außerdem verfasste er mehrere Belletristik-Titel und Fachbücher, zuletzt „Android-Tablets für Einsteiger“ (VKI, Wien 2014).

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