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Nur 18 Stunden

Die Apple Watch kann man ab 24. April kaufen. Wenn man nur wüsste, wozu.

Es gab mal eine Zeit, da wurde alles, was man bei Apple anfasste, zu Gold. Jetzt muss man dazu schon die Luxus-Variante der Apple Watch kaufen, die der iPhone-Konzern mit gewohntem Tamtam und begleitet von viel Vorabgemunkel präsentiert hat. Ab 11.000 Euro ist das gute Stück zu haben. Für alle, bei denen Geld noch eine Rolex spielt, gibt es auch schon Varianten ab 399 Euro – aus Alu und mit schnödem Kunststoffarmband. Wenn es dann doch wenigstens Edelstahl sein darf, ist man mit Preisen zwischen 649 und 1.249 Euro dabei. Auch schon recht sportlich für ein bisschen Metall. Aber immerhin, so raunt es durchs Netz, könnte die Idee für die iWatch – pardon – Apple Watch ja noch von Steve Jobs persönlich stammen. Nun hat Konkurrent Samsung mit seiner Galaxy Gear bereits eine spektakuläre Bauchlandung hingelegt. Aber die benötigte auch eine ständige Verbindung zum Smartphone in der Tasche, um zu funktionieren. Gut, das ist bei der Apple-Uhr auch nicht anders. Aber das iPhone hat man schließlich sowieso immer dabei. Denn, so viel hat der geneigte Anwender gelernt, wenn du kein iPhone hast, hast du kein iPhone.

Was aber kann die Apple Watch? Zuverlässig die Uhrzeit anzeigen natürlich, das ist im Jahr 2015, rund 500 Jahre nach der Erfindung des Nürnberger Eis, ja schon mal ein Killer-Feature. Allerdings nur für 18 Stunden, denn spätestens dann macht der Akku schlapp. Die restlichen sechs Stunden könnte man dann ja auch mal schlafen. Denn einmal am Stromnetz, lädt sich die Apple Watch automatisch und ohne Beaufsichtigung auf. Man merkt schon: Der Hersteller hat wirklich an alles gedacht. Unter anderem auch an einen Pulsmesser, der Kooperationspartnern wie dem Turnschuhhersteller Nike direkt mitteilen kann, bei welchen Werbebotschaften das Nutzerherz höher schlägt. Schon gibt es Gerüchte über eine geheimnisvolle Schnittstelle am Gerät sowie über Mikrochips, die man sich unter die Haut transplantieren lassen kann. So könnte man bei der Betriebsfeier oder beim Karneval beispielsweise gewarnt werden, wenn der Promillewert unter eine kritische Marke fällt.

Ansonsten kann die Apple Watch alles, was das iPhone auch kann. Wirklich fortschrittliche Menschen erkennt man fortan also daran, dass sie ihr Telefon ganz lässig in der Tasche lassen. Es wirkt ja auch gleich viel höflicher, wenn man bei einem Date ständig aufs Handgelenk schaut. Sprachassistentin Siri sagt einem aber auch so, wann es Zeit ist zu gehen, weil man sich schon länger nicht mehr bewegt hat. Peinliche Ausreden, dass man noch etwas zu erledigen habe, gehören damit der Vergangenheit an. Eigentlich weiß man schon jetzt gar nicht mehr, was man früher einmal ohne Apple Watch gemacht hat. Und so könnte es sein, dass sich Steve Jobs, der eventuelle Ideengeber, posthum noch einmal als König Midas der Technikbranche erweist. „Ich glaube, heute lächelt er“, so Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung. Vielleicht schlägt er sich aber auch vor Lachen auf die Schenkel.

Steffen Haubner

Über Steffen Haubner

Steffen Haubner M.A. schloss 1997 sein Studium Soziologie an der Universität Hamburg ab. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Fachlektor für zahlreiche Verlage und Publikationen mit den Schwerpunkten Technik und Neue Medien. Insbesondere widmet er sich den Themenbereichen Windows, Mobilfunk, Sicherheit, Games und Multimedia. Er ist für diverse Tageszeitungen und Magazine tätig. Außerdem verfasste er mehrere Belletristik-Titel und Fachbücher, zuletzt „Android-Tablets für Einsteiger“ (VKI, Wien 2014).

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