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Die Rückkehr der Rollenspiel-Klassiker

„Wie schnell die Zeit doch vergeht. Da sitzt man an kalten, verschneiten Wintertagen als pickeliger Jugendlicher vor dem PC und dringt voll und ganz in die Geschichte der Vergessenen Reiche ein und schon ist man ein „alter“ Mann und hat ganz andere Verpflichtungen als seinen Waldläufer einen besseren Bogen zu besorgen, oder Jon Irenicus den jagen, um Imoen zu befreien.“ Besser als dieser Online-Kommentator kann man kaum beschreiben, was einem beim Spielen von „Baldur’s Gate 2: Enhanced Edition“ bewegt: Ein viele Stunden dauerndes Déjà-vu, in das sich die Freude mischt, dass die hohe Kunst, die diese Spiel verkörpert bewahrt und gepflegt wird und nun auch auf aktuellen Rechnern ohne Kompatibilitätsprobleme gespielt werden kann. Mehr als 16 Jahre hat der Klassiker inzwischen auf der Uhr, was man dem Werk natürlich auch anmerkt, auch wenn hier und da dezent gefeilt wurde. Die Breitbild-Unterstützung trägt modernen Bildformaten Rechnung, ein kooperativer Multiplayer-Modus wurde integriert, an diversen Interface- und Gameplaydetails geschraubt. Man muss schon genau hinsehen, um die Feinheiten zu erkennen. Aber wahrscheinlich ist weniger in diesem Fall auch mehr, schließlich will man die melancholische Zeitreise nicht mit modernem Schnickschnack verwässern. Ansonsten wurde alles auf die Scheibe gepresst, was verfügbar war: Die „Enhanced Edition“ beinhaltet neben den offiziellen Add-on „Thron des Bhaal“, die Erweiterungen „Faust des Gefallenen“, „Der Blutzoll“, „Eine Stimme im Dunkeln“, „Wilde Jagd“ und „Die Schwarzen Gruben 2“, in der die Spieler verschiedene Arena-Kämpfe überstehen müssen. Auch der „Baldur’s Gate“-Nachfolger „Icewind Dale“ wurde generalüberholt und unter anderem mit einer „Schnelles Looten“-Leiste, Koop-Gameplay und diversen zusätzlichen Quest-Inhalten versehen, die aus dem Original des Jahres 2000 einst entfernt worden waren. An Bord sind zudem die beiden Erweiterungen  „Hearts of Winter“ und „Trials of the Luremaster“ sowie neue Zaubersprüche, magische Waffen und Rüstungen und 30 neue Charakterklassen-Kits.

Fazit: Mit Remakes von Klassikern ist es immer so eine Sache: Mag die Grafik noch so zeitgemäß sein – an das Original kommen sie einfach nicht heran. Ravenscourt, das Label unter dem die „Enhanced Editions“ (deutsch: erweiterte Ausgaben) von „Baldur’s Gate II“ und „Icewind Dale“ jetzt erschienen sind, tat also gut daran, die beiden Klassiker nur leicht zu überarbeiten. Ein historisches Gemälde wird schließlich auch nicht einfach übermalt, sondern äußerst sorgsam restauriert. Für jeweils rund 20 Euro bekommt man so eine Zeitreise in die Geschichte der Videospiele, die sich kein Rollenspiel-Fan entgehen lassen sollte.

Die Originalmeldung des Verlags:

Baldur’s Gate II erschien in der Originalfassung vor 15 Jahren und gilt für ambitionierte Rollenspieler auch heute noch als Legende. In der Enhanced Edition liegt neben den offiziellen Add-on „Thron des Bhaal“ auch eine Black-Pit-Kampagne bei, in der die Spieler verschiedene Arena-Kämpfe überstehen müssen. Außerdem gibt es vier neue Gefährten, die mit eigenen Miniquests aufwarten. Dank Breitbild-Unterstützung kommt die Welt von Baldur’s Gate II nun auch auf modernen Bildschirmen voll zur Geltung. Durch die Anpassung an aktuelle technische Standards sind Mehrspieler-Matches auf modernen Rechnern nun möglich.

Nach der umfangreichen Charaktererstellung erwacht der Held im Kerker des abtrünnigen Magiers Irenicus. Die Flucht wird zum epischen Rache-Feldzug gegen den Magier, der versucht zu einem Gott aufzusteigen. Dabei muss der Spieler jedoch selbst den Verlockungen des Bösen widerstehen… oder sich ihnen hingeben. Die große Fantasy-Erzählung wird damals wie heute vom Dungeons & Dragons – Regelwerk getragen. Intensive taktische Schlachten erwarten den Spieler und seine Abenteurer-Gruppe. Der erste Teil von Baldur’s Gate ist bereits als Enhanced Edition im Handel erhältlich.

Icewind Dale, im Jahr 2000 erstmalig erschienen, wurde seinerzeit für sein ausbalanciertes und rundes Gameplay geschätzt. Ebenso wie Baldur’s Gate 2 ist Icewind Dale in der berühmten Dungeon & Dragons – Kampagnenwelt der „Forgotten Realms“ von Wizards of The Coast angesiedelt.

Der umfangreichen Enhanced Edition liegen ebenfalls die beiden Erweiterungen  „Hearts of Winter“ und „Trials of the Luremaster“ bei. Unzählige neue Zaubersprüche und Items wie magische Waffen und Rüstungen bereichern das Spiel ebenso wie 30 neue Charakterklassen-Kits. In dieser Edition des Klassikers sind außerdem Quests enthalten, die es nicht mehr ins ursprüngliche Spiel geschafft haben und nun fertiggestellt wurden. Das Abenteuer lässt sich kooperativ im Multiplayer bestreiten.

Die nördlichsten Ausläufer der Vergessen Reiche bilden die frostige Tundra des Eiswindtals. In dieser unwirtlichen Gegend überleben nur die Zähen und Harten. Die Reise führt durch verschneite Berge und Gletscher, denn das Böse bedroht die Welt aus dem äußersten Norden. Monsterangriffe auf die Stadt Kuldahar mehreren sich und so zieht eine tapfere Heldengruppe aus, um dem Unheil entgegenzutreten.  

Steffen Haubner

Über Steffen Haubner

Steffen Haubner M.A. schloss 1997 sein Studium Soziologie an der Universität Hamburg ab. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Fachlektor für zahlreiche Verlage und Publikationen mit den Schwerpunkten Technik und Neue Medien. Insbesondere widmet er sich den Themenbereichen Windows, Mobilfunk, Sicherheit, Games und Multimedia. Er ist für diverse Tageszeitungen und Magazine tätig. Außerdem verfasste er mehrere Belletristik-Titel und Fachbücher, zuletzt „Android-Tablets für Einsteiger“ (VKI, Wien 2014).

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