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„Quantum Break“ im Test: Riss in der Zeit

 

Realfilme in Videospielen waren lange Zeit verpönt. Um eine Geschichte zwischen Spielabschnitten weiterzuerzählen, bediente man sich lieber am Computer gerenderter Sequenzen. Nun erleben die mit der Kamera aufgezeichneten Filmszenen als Stilmittel in Games ihr Comeback. Im neuesten Teil der „Need for Speed“-Serie bewies Electronic Arts, dass sich reale Schauspieler durchaus gelungen in ein Game einbinden lassen, auch wenn es hier noch an einer überzeugenden Story mangelte. Im Xbox-One-exklusiven Shooter „Quantum Break“ setzt der Entwickler Remedy nun noch einen drauf. Nach jeder Spielsequenz darf man sich zurücklegen und bekommt eine längere Episode zu sehen, in der die packende Geschichte vom drohenden Ende der Zeit erzählt wird: Videospiel und TV-Serie im Doppelpack sozusagen.

Ein Großkonzern mit dem Namen Monarch Solutions experimentiert mit dem Raum-Zeit-Gefüge und verursacht damit prompt einen „Riss in der Zeit“. Jack Joyce und sein Bruder Will (gespielt von Dominic Monaghan aus „Lost“) geraten mitten in das aus dem Ruder laufende Experiment. Jack, in dessen Rolle der Spieler gleich zu Anfang schlüpft, wird plötzlich von einer Spezialeinheit verfolgt, die ihm offensichtlich nach dem Leben trachtet. Zugleich bemerkt er, dass in ihm merkwürdige Veränderungen vorgehen: Es ist in der Lage, die Zeit zu manipulieren und den Zeitriss für seine Zwecke auszunutzen. Das erweist sich insbesondere bei Schusswechseln als äußerst hilfreich. So kann man mal eben die Zeit anhalten und zwischen den Gegnern hindurchspazieren oder auf Hyperbeschleunigung schalten, um die Deckung zu wechseln und vieles mehr. Allerdings sind diese Superkräfte etwas zu super geraten. In Kombination mit der kaum vorhandenen KI des Feindes sorgen sie dafür, dass die Action-Anteile von „Quantum Break“ nicht über das Niveau ein durchschnittlichen Deckungsshooters hinauskommen. Auch die Rätsel, die in erster Linie auf „instabilen Objekten“ beruhen, die Jack mittels Zeitmanipulation beeinflussen kann, fordern halbwegs versierte Spiele kaum.

Originell und unterhaltsam ist der Mix aber allemal und markiert darüber hinaus eine neue Grafikreferenz auf der Xbox One. Vor allem die Zeitrisseffekte sehen schon verdammt gut aus. On top bekommt der Spieler die Möglichkeit, mit eigenen Entscheidungen ins Geschehen einzugreifen. Eben noch auf der Flucht vor Monarchs Schergen, muss man etwa auf einmal entscheiden, ob die schöne Aktivistin, die sich gegen die Firmeninteressen stellt, kurzerhand liquidiert oder doch lieber für eine Imagekampagne instrumentalisiert werden soll. An der recht linearen Struktur des Plots ändert das aber nicht allzu viel. In dieser Hinsicht erinnert „Quantum Break“ an den interaktiven Thriller „Beyond: Two Souls“: Die scheinbare Freiheit muss oft mit allerhand Taschenspielertricks erkauft werden. Insgesamt geht „Quantum Break“ aber durchaus in die richtige Richtung, wenngleich man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass hier sehr viel mehr drin gewesen wäre. Vielleicht ja in Teil 2, der hoffentlich folgt.

Microsoft / Remedy, für PC und Xbox One, bereits erschienen, ab 16 Jahren, ca. 70 Euro

Steffen Haubner

Über Steffen Haubner

Steffen Haubner M.A. schloss 1997 sein Studium Soziologie an der Universität Hamburg ab. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Fachlektor für zahlreiche Verlage und Publikationen mit den Schwerpunkten Technik und Neue Medien. Insbesondere widmet er sich den Themenbereichen Windows, Mobilfunk, Sicherheit, Games und Multimedia. Er ist für diverse Tageszeitungen und Magazine tätig. Außerdem verfasste er mehrere Belletristik-Titel und Fachbücher, zuletzt „Android-Tablets für Einsteiger“ (VKI, Wien 2014).

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