Prisma

Apps: Gratis – aber nicht kostenlos

Bei Apps, die jeder haben will, geht die Vorsicht schnell über Bord.

Wenn plötzlich Millionen Menschen eine bestimmte Sache haben wollen, dann nennt man das einen „Hype“. Der wird mitunter auch von Apps ausgelöst, die oft sogar gratis sind. Kostenlos sind sie aber keineswegs. Vielmehr zahlt der Nutzer mit seinen persönlichen Daten, der härtesten Währung der digitalen Welt. Nun haben wir uns fast schon an den Gedanken gewöhnt, dass unser Kaufverhalten aufgezeichnet, unsere Kontaktlisten, Interessen und Aufenthaltsorte auf irgendwelchen Firmenservern gespeichert werden. Was genau dort landet und was damit passiert, ist meist nicht leicht zu erkennen, Neugier und Bequemlichkeit siegen über das gesunde Misstrauen.

Wie gefährlich das sein kann, zeigt sich am Beispiel „Pokémon Go“. So können sich iPhone-Besitzer auch mittels ihres Google-Accounts zu der derzeit so beliebten Taschenmonsterjagd anmelden, um sich nicht eigens auf der Seite des Herstellers registrieren zu müssen. Zeitweilig gewährte man der Firma Niantic, die das Spiel vertreibt, damit aber vollen Zugriff auf sämtliche persönliche Daten, inklusive Suchhistorie, Fotos und E-Mail-Inhalte. Als eine Experte das Datenleck aufdeckte, beteuerte das Unternehmen, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe. Doch auch so verstößt die App nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen deutsche Datenschutzstandards. Vor allem in der weitreichenden Übermittlung personenbezogener Daten an den Hersteller sieht der Verband Probleme. In den undurchsichtigen Einwilligungserklärungen behält sich Niantic unter anderem vor, persönliche Daten nach eigenem Ermessen an Dritte weiterzugeben.

Derzeit stößt man in den sozialen Netzwerken immer wieder auf Fotos, die aussehen wie Gemälde. „Prisma“ heißt die kostenlose iPhone-App, mit der man diese verblüffenden Kunstwerke herstellen kann. Das offene Geheimnis von „Prisma“: Die Bilder werden nicht auf dem Gerät, sondern auf den Servern des russischen Anbieters bearbeitet. Dort wird die Aufnahme von einer künstlichen Intelligenz analysiert und umgewandelt, bevor sie Sekunden später wieder auf dem iPhone landet. Man sollte sich deshalb im Klaren darüber sein, dass man das eigene Material, zumindest für kurze Zeit, aus der Hand gibt. Dass die Aufnahmen dauerhaft gespeichert werden, verneint der Hersteller, behält sich aber das Recht vor, Nutzerdaten mit Drittanbietern zu teilen. Hüten sollte man sich aber insbesondere vor Fälschungen, die derzeit bevorzugt auf Geräten angeboten werden, auf denen es das echte „Prisma“ noch nicht gibt, also auf Android-Smartphones und dem iPad. Unter anderem werden dort für eine letztlich unbrauchbare App rund zwei Euro verlangt. Andere vermeintliche „Prisma“-Apps enthalten lediglich einen Link, der auf dubiose Webseiten führt. Erkennen kann man die Fälschungen am Hersteller. Die echte „Prisma“-App wird von der Firma „Prisma labs, inc.“ angeboten. Aber so etwas kann man bei einem Hype natürlich schon mal übersehen.

Steffen Haubner

Über Steffen Haubner

Steffen Haubner M.A. schloss 1997 sein Studium Soziologie an der Universität Hamburg ab. Seitdem arbeitet er als freier Autor und Fachlektor für zahlreiche Verlage und Publikationen mit den Schwerpunkten Technik und Neue Medien. Insbesondere widmet er sich den Themenbereichen Windows, Mobilfunk, Sicherheit, Games und Multimedia. Er ist für diverse Tageszeitungen und Magazine tätig. Außerdem verfasste er mehrere Belletristik-Titel und Fachbücher, zuletzt „Android-Tablets für Einsteiger“ (VKI, Wien 2014).

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